Jean-Christoph Tixier zu Gast am Huma

«Si tu ne trouves pas de travail à Mönchengladbach, tu vas dans la ville à côté et si tu n’y en trouves pas, tu vas peut-être en Angleterre ou en Australie – voilà, tenter sa chance ailleurs – c’est normal ! »
Stellt euch vor, ihr findet keine Möglichkeit, in Mönchengladbach Arbeit zu finden. Dann geht ihr in die Nachbarstadt. Aber auch dort findet ihr keine Arbeit. Ja, dann geht ihr nach England oder Australien – natürlich, um euer Glück woanders zu versuchen - das ist doch ganz normal.

So versuchte Jean-Christoph Tixier, französischer Autor aus Südfrankreich, einigen Schülern der Oberstufenkurse Französisch am Dienstag, den 07.02., mögliche Fluchtgründe von sogenannten „réfugiés économiques“ zu erklären. Auch der junge Afrikaner Sam,  Protagonist im kürzlich erschienen Roman des Autors „La Traversée“, ist einer dieser sogenannten Wirtschaftsflüchtlinge. So tritt er von seinem Heimatdorf aus über Tripoli die Überfahrt auf einem Boot nach Europa an und entgeht dabei nur knapp dem Tod. Tixier schildert in seinem Roman in sehr poetischer Sprache nicht nur die Gefahren der Flucht, sondern berichtet auch in zahlreichen Rückblenden von dem Leben „davor“ und die Ursachen, die Sam zur Flucht bewegt haben.
Initiiert worden ist dieses Treffen Tixier von Frau Utzmann und ihrem Leistungskurs. Dieser nimmt in diesem Jahr am „Prix des lycéens allemands“ teil, bei dem u.a. der Roman von Tixier zur Wahl für den besten frz. Jugendroman steht, der auf der Frankfurter Buchmesse gekürt werden wird. (https://prixdeslyceens.institutfrancais.de/)


Jean-Christoph Tixier beantwortete an diesem Nachmittag in entspannter Atmosphäre Schülerfragen zu seiner Person, seiner Arbeit, dem Roman und der aktuellen politischen Situation in Frankreich und Europa. Er berichtete vor allem von seinen Recherchen im sogenannten „Jungle de Calais“ (Flüchtlingscamp in Calais) und von seinen Begegnungen mit den Menschen dort. Dabei nannte er Probleme wie die „l’inégalité de richesse sur la planète », unterstrich immer wieder die Unterschiedlichkeit der Fluchtursachen und mahnte die Schüler, aufgrund dessen nicht von einfachen Lösungen („les solutions simples“) auszugehen.  Auf die Frage, was ihn am meisten beeindruckt hätte, nannte er einerseits das „ vie dans l‘incertitude totale“, das Leben dieser Menschen in vollkommener Unsicherheit und andererseits die „l’énergie magnifique de ces réfugiés“, deren wunderbare Energie, mit der einzelne es geschafft hätten, in den Flüchtlingscamps z.B. eine Schule oder eine kleine Handyladestation zu bauen, um Kontakt mit der Heimat zu halten. Des Weiteren sei es die Tatsache, dass sich Menschen allein deswegen wieder menschlich fühlen, weil man ihnen ein Wort oder Lächeln schenke und mit ihnen ganz „normale Dinge“ unternehme, wie z.B. Fußballspielen.
Alles in allem war es für die Schüler eine sehr fröhliche und interessante Fragerunde, während der sie mit einem Muttersprachler ins Gespräch kamen und damit auch ein wenig ihre Französischkenntnisse unter Beweis stellen konnten. Es war aber auch ein Nachmittag, der alle Teilnehmer zum Nach- und Weiterdenken über ein ganz aktuelles Weltgeschehen angeregt hat.